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Audi in der Formel 1: Wie ein deutsch-schweizerisches Projekt 2026 die Königsklasse aufmischen will
Mit der Saison 2026 steigt Audi als Werksteam in die Formel 1 ein. Das Herz des Projekts schlägt in Hinwil in der Schweiz und in Neuburg in Deutschland. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto bilden das erste Fahrerduo.
Für Motorsportfans im deutschsprachigen Raum beginnt 2026 eine neue Ära. Mit der laufenden Saison steigt der Autobauer Audi als vollwertiges Werksteam in die Formel 1 ein und wagt damit den Schritt in die Königsklasse des Rennsports. Es ist eines der grössten Motorsportprojekte der deutschen Automobilgeschichte. Und das Besondere daran ist, dass sein Herz nicht nur in Deutschland, sondern zu einem grossen Teil auch in der Schweiz schlägt.
Der Weg in die Formel 1 führte für Audi über eine Übernahme. Im Januar 2025 schloss der Konzern die vollständige Übernahme der Sauber Holding AG ab, für einen Betrag von rund 600 Millionen Euro. Damit sicherte sich Audi nicht nur einen bestehenden Startplatz im Feld, sondern auch die jahrzehntelange Erfahrung und Infrastruktur eines traditionsreichen Rennstalls. Statt bei null zu beginnen, baute der Hersteller auf einem soliden Fundament auf.
Audi ist dabei nicht der einzige Geldgeber hinter dem Projekt. Bereits im November 2024 stieg die Qatar Investment Authority mit einem bedeutenden Minderheitsanteil ein. Ziel dieser Investition war es, das Wachstum des Teams zu beschleunigen und die nötige Infrastruktur auszubauen. Ein solches Grossprojekt erfordert enorme finanzielle Mittel, und die Beteiligung aussenstehender Investoren zeigt, wie kapitalintensiv der moderne Spitzenmotorsport geworden ist.
Ein Projekt zwischen zwei Ländern

Die geografische Aufteilung des Projekts ist einer seiner spannendsten Aspekte. Das Chassis, also die eigentliche Rennwagenstruktur, wird im schweizerischen Hinwil entwickelt und zusammengebaut. Dort, am traditionsreichen Sauber-Standort, sitzt weiterhin die Mannschaft, die für Design und Fertigung des Autos verantwortlich ist. Die Schweiz bleibt damit ein zentraler Knotenpunkt eines der prestigeträchtigsten Rennprojekte der Welt.
Der Antrieb hingegen entsteht auf der anderen Seite der Grenze. Die Power Unit, das komplexe Hybrid-Antriebssystem der neuen Generation, wird von Audi im bayerischen Neuburg an der Donau entwickelt. Ergänzt wird die Struktur durch ein neues Motorsport-Technologiezentrum, das im Juli 2025 im britischen Bicester Motion eröffnet wurde. So verteilt sich das Projekt über mehrere Länder hinweg, mit einem klaren deutsch-schweizerischen Kern.
Diese Aufteilung ist in der modernen Formel 1 keineswegs ungewöhnlich, sondern spiegelt die enorme Komplexität der heutigen Rennwagen wider. Chassis und Antrieb sind hochspezialisierte Bereiche, die jeweils eigene Kompetenzzentren erfordern. Erst im Zusammenspiel dieser Standorte entsteht am Ende ein konkurrenzfähiger Rennwagen. Für Audi bedeutet das, Fachwissen aus verschiedenen Ländern unter einem gemeinsamen Dach zu bündeln.
Audi übernahm die Sauber Holding AG im Januar 2025 für rund 600 Millionen Euro. Das Chassis entsteht in Hinwil, der Antrieb in Neuburg.
Die Fahrer
Auch die Fahrerfrage ist längst geklärt. Das erste Fahrerduo der Audi-Ära besteht aus dem deutschen Routinier Nico Hülkenberg und dem jungen Brasilianer Gabriel Bortoleto. Beide fuhren bereits im Vorjahr für Sauber und wechseln nun nahtlos in die Audi-Zeit hinüber. Möglich macht das ihre langfristigen Verträge, die genau auf diesen Übergang ausgelegt waren.
Die Kombination der beiden Fahrer wirkt bewusst gewählt. Mit Hülkenberg bringt das Team einen erfahrenen Piloten mit, der die Formel 1 seit vielen Jahren kennt und über wertvolles technisches Wissen verfügt. Bortoleto hingegen steht für die Zukunft und gab sein Debüt erst in der vergangenen Saison. Diese Mischung aus Erfahrung und Jugend soll dem jungen Werksteam sowohl Stabilität als auch Entwicklungspotenzial geben.
Warum gerade jetzt
Der Zeitpunkt des Einstiegs ist alles andere als zufällig gewählt. Die Saison 2026 markiert den Beginn einer neuen Hersteller-Ära mit veränderten technischen Regeln, insbesondere bei den Antrieben. Für einen Neueinsteiger wie Audi ist ein solcher Regelwechsel die ideale Gelegenheit, denn alle Teams müssen ihre Antriebe ohnehin neu entwickeln. So verringert sich der Vorsprung der etablierten Rennställe, und ein Newcomer kann von Beginn an konkurrenzfähig sein.
Offiziell tritt das Team unter dem Namen Revolut Audi F1 Team an, nachdem Mitte 2025 eine mehrjährige Titelpartnerschaft mit dem Finanzunternehmen bekannt gegeben wurde. Nach der Teampräsentation zu Jahresbeginn und den Testfahrten in Barcelona und Bahrain gab Audi sein Renndebüt schliesslich beim Auftakt in Melbourne. Damit ist aus einem jahrelang vorbereiteten Plan endgültig gelebte Wirklichkeit geworden.
Für Audi ist der Schritt in die Formel 1 weit mehr als ein sportliches Abenteuer. Er ist ein Aushängeschild für die technologische Kompetenz der Marke und eine Bühne von globaler Reichweite. Erfolge in der Königsklasse strahlen unmittelbar auf das Image des gesamten Unternehmens ab. Zugleich ist das Projekt ein langfristiges Unterfangen, dessen wahre Ergebnisse sich erst über mehrere Saisons hinweg zeigen werden.
Für die Fans in der Schweiz und in Deutschland ist die Ausgangslage jedenfalls reizvoll wie selten. Mit Hinwil und Neuburg trägt das Team eine klare regionale Handschrift, und mit Hülkenberg steht ein deutschsprachiger Fahrer am Steuer. Ob Audi tatsächlich an die Spitze fahren kann, wird sich erst mit der Zeit weisen. Doch schon der Einstieg selbst schreibt ein neues Kapitel in der Geschichte des europäischen Motorsports.





