Lukas BrunnerVIEW PROFILE →
Der Schweizer Automarkt 2026: Elektroautos wachsen kräftig, doch die Zurückhaltung bleibt
Der Schweizer Automarkt kehrte in der ersten Jahreshälfte 2026 auf den Wachstumspfad zurück, mit 116'584 Neuzulassungen. Vollelektrische Fahrzeuge legten um 20,2 Prozent auf 27'889 Einheiten zu, und steckerbetriebene Autos erreichten einen Marktanteil von 36,3 Prozent, fast gleichauf mit den Hybride
Der Schweizer Automarkt hat in der ersten Hälfte des Jahres 2026 wieder an Schwung gewonnen. Nach einer Phase der Unsicherheit kehrte die Branche auf den Wachstumspfad zurück, wobei die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands weiter voranschreitet. Immer mehr Käuferinnen und Käufer entscheiden sich für Modelle mit einem Stecker, auch wenn die vollständige Ablösung der Verbrennungsmotoren noch längst nicht abgeschlossen ist und viele Konsumenten weiterhin zögern.
Der Automarkt wächst wieder
Die Zahlen belegen die positive Entwicklung deutlich. In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden in der Schweiz und in Liechtenstein insgesamt 116'584 neue Personenwagen zugelassen, was einem Wachstum von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Allein im Juni 2026 kamen 25'207 Neuzulassungen hinzu, was einer Zunahme von 15,6 Prozent im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres gleichkommt.
Diese Erholung ist bemerkenswert, da der Automarkt in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen hatte, von Lieferengpässen bis hin zu einer allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung. Das erneute Wachstum deutet darauf hin, dass sich die Lage stabilisiert hat und die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen wieder anzieht. Besonders auffällig ist dabei der zunehmende Anteil elektrifizierter Antriebe am Gesamtmarkt.
Elektroautos legen deutlich zu

Die vollelektrischen Fahrzeuge verzeichneten in diesem Zeitraum ein kräftiges Plus. Ihre Zahl stieg um 20,2 Prozent auf insgesamt 27'889 Einheiten, was den anhaltenden Trend hin zur batteriebetriebenen Mobilität unterstreicht. Auch die sogenannten Plug-in-Hybride, die sowohl elektrisch als auch mit einem Verbrennungsmotor fahren können, legten spürbar zu und erreichten mit einem Wachstum von 24,7 Prozent insgesamt 14'456 verkaufte Einheiten.
Zusammengenommen erreichten die steckerbetriebenen Fahrzeuge einen Marktanteil von 36,3 Prozent. Damit lagen sie zum ersten Mal fast gleichauf mit den herkömmlichen Hybridfahrzeugen, die einen Anteil von 36,5 Prozent hielten. Die reinen Benzin- und Dieselfahrzeuge kamen hingegen nur noch auf 27,2 Prozent des Marktes, was zeigt, wie stark sich die Zusammensetzung der Neuzulassungen in der Schweiz innerhalb weniger Jahre verändert hat.
Trotz dieses Wachstums bleibt der Anteil der Elektrofahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand auf den Strassen noch begrenzt. Aufladbare Fahrzeuge machen derzeit weniger als jedes zehnte Auto auf Schweizer Strassen aus. Das verdeutlicht, dass der Übergang zur Elektromobilität zwar in vollem Gange ist, die vollständige Erneuerung des Fahrzeugbestandes jedoch ein langfristiger Prozess bleibt, der noch viele Jahre in Anspruch nehmen dürfte.
Zurückhaltung trotz grosser Auswahl
Interessanterweise ist das Angebot an Elektrofahrzeugen inzwischen sehr breit gefächert. Auf dem Schweizer Markt sind mittlerweile über 350 verschiedene elektrische Modelle erhältlich, sodass für nahezu jeden Bedarf eine passende Option zur Verfügung steht. Dennoch reicht diese Vielfalt allein offenbar nicht aus, um sämtliche Vorbehalte der Konsumenten auszuräumen, wie Vertreter der Branche wiederholt festgestellt haben.
Nach Einschätzung von Thomas Rücker, dem Direktor von Auto-Suisse, war die Bandbreite der auf dem Markt verfügbaren Fahrzeuge bislang noch nicht ausreichend, um die Zurückhaltung der Verbraucher vollständig zu überwinden. Diese Aussage verdeutlicht, dass neben der reinen Modellauswahl weitere Faktoren eine Rolle spielen, etwa der Anschaffungspreis, die Reichweite oder die Verfügbarkeit von geeigneten Lademöglichkeiten im Alltag.
Um die Verbreitung der Elektromobilität weiter zu fördern, hat der Verband Auto-Suisse verschiedene Massnahmen gefordert. Dazu gehören unter anderem Erleichterungen bei den Vorschriften zum Ausstoss von Kohlendioxid, steuerliche Anreize, ein Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie wettbewerbsfähige Strompreise. Ebenso wichtig seien Anreize für das Laden zu Hause und am Arbeitsplatz, da gerade dort ein grosser Teil des Aufladens stattfindet.
Günstige Kleinwagen und neue Marktführer
Als einer der wichtigsten Wachstumstreiber der kommenden Zeit gelten erschwingliche Klein- und Kompaktwagen. Neue Modelle, die den Preis in den Vordergrund stellen, sollen die Elektromobilität für eine breitere Käuferschicht zugänglich machen. Zu diesen Fahrzeugen zählen unter anderem der Citroën ë-C3 Max, der Fiat 500e La Prima sowie der Peugeot E-208, die alle darauf abzielen, ein gutes Verhältnis von Preis und Leistung zu bieten.
Auch bei den Marktführern hat sich einiges verändert. Der VW-Konzern, zu dem Marken wie Škoda, Audi und Volkswagen gehören, entwickelte sich im Jahr 2025 zur grössten Elektroauto-Markengruppe der Schweiz. Damit gelang es dem Konzern, sich an die Spitze zu setzen und einen bedeutenden Anteil des wachsenden Marktes für sich zu gewinnen, während andere Anbieter im Wettbewerb um die Gunst der Kundschaft an Boden verloren.
Ein Beispiel dafür ist das Modell Tesla Model Y, das zwar weiterhin sehr beliebt ist, gleichzeitig aber deutlich an Marktanteil einbüsst. Diese Entwicklung zeigt, wie dynamisch der Markt für Elektrofahrzeuge inzwischen geworden ist und wie schnell sich die Kräfteverhältnisse verschieben können. Bei der Ladeinfrastruktur verfügt die Schweiz mittlerweile über mehr als 16'000 öffentliche Ladepunkte, wobei das Laden zu Hause weiterhin als grosse Herausforderung gilt.
Insgesamt zeigt die erste Jahreshälfte 2026, dass sich der Schweizer Automarkt in einer Phase des Umbruchs befindet. Das Wachstum der Neuzulassungen, der steigende Anteil elektrifizierter Fahrzeuge und das Aufkommen erschwinglicher Modelle deuten auf eine langfristige Verschiebung hin zur Elektromobilität hin. Ob sich dieser Trend fortsetzt, wird davon abhängen, wie rasch die verbleibenden Hürden bei Preis, Reichweite und Ladeinfrastruktur abgebaut werden können.






