Lukas BrunnerVIEW PROFILE →
Schweizer Automarkt 2026: Jeder vierte Neuwagen ist elektrisch, doch die E-Mobilität bleibt hinter den Zielen zurück
Der Schweizer Automobilmarkt wuchs im ersten Halbjahr 2026 leicht, und die Elektromobilität legte deutlich zu. Rein elektrische Fahrzeuge erreichten einen Marktanteil von 23,9 Prozent, dennoch hinkt die Entwicklung den politischen Erwartungen hinterher.
Der Schweizer Automobilmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2026 von einer soliden Seite gezeigt. Die Zahl der Neuzulassungen legte leicht zu, und vor allem die Elektromobilität setzte ihren Aufwärtstrend fort. Dennoch bleibt ein gewisser Beigeschmack, denn trotz aller Fortschritte hinkt die Verbreitung von Stromern weiterhin deutlich hinter den ambitionierten politischen Erwartungen und Zielvorgaben her.
Ein leicht wachsender Gesamtmarkt
Zunächst zu den nackten Zahlen des Gesamtmarktes. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 insgesamt 116'584 neue Personenwagen zugelassen. Das entspricht einem Zuwachs von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 113'133 Fahrzeuge registriert worden waren. Besonders stark fiel der Monat Juni aus, mit 25'207 Neuwagen und einem kräftigen Plus von 15,6 Prozent.
Die Elektromobilität auf dem Vormarsch
Im Zentrum des Interesses steht wie immer die Entwicklung der alternativen Antriebe. Die sogenannten Steckerfahrzeuge, also rein elektrische Autos und Plug-in-Hybride zusammengenommen, erreichten im ersten Halbjahr einen kombinierten Marktanteil von 36,3 Prozent. Dies unterstreicht, dass mittlerweile mehr als jeder dritte verkaufte Neuwagen in der Schweiz zumindest teilweise mit Strom betrieben werden kann.
Betrachtet man die reinen Elektrofahrzeuge, so kamen diese auf einen Anteil von 23,9 Prozent. Insgesamt wurden 27'889 batterieelektrische Autos zugelassen, was einem beachtlichen Wachstum von 20,2 Prozent entspricht. Die Plug-in-Hybride erreichten ihrerseits einen Anteil von 13,4 Prozent mit 14'456 Einheiten, und legten mit einem Plus von 24,7 Prozent sogar noch etwas stärker zu als die reinen Stromer.
Der Schwung setzte sich auch in den Sommermonat hinein fort. Im Juli 2026 kletterte der Anteil der rein elektrischen Fahrzeuge auf 25,8 Prozent, womit mehr als jeder vierte Neuwagen elektrisch fuhr. In jenem Monat wurden 4'899 Elektroautos neu zugelassen, ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber den 4'083 Fahrzeugen des Vorjahres. Von Januar bis Juli summierten sich die Zulassungen auf 32'788 Stromer.
Hybride und Verbrenner im Vergleich
Die klassischen Vollhybride und Mildhybride bleiben derweil eine gewichtige Kraft auf dem Markt und kamen im ersten Halbjahr zusammen auf einen Anteil von 36,5 Prozent. Die reinen Verbrennungsmotoren hingegen setzten ihren Sinkflug fort und machten nur noch 27,2 Prozent aus. Dabei verloren die Benziner 11,0 Prozent, während die Dieselfahrzeuge mit einem Minus von 22,0 Prozent noch deutlich stärker unter Druck gerieten.
Rechnet man alle elektrifizierten Antriebe zusammen, so ergibt sich ein bemerkenswertes Bild des Umbruchs. Die Summe aus Steckerfahrzeugen und Hybriden übertrifft die reinen Verbrenner inzwischen deutlich, was einen klaren Wendepunkt im Kaufverhalten der Schweizer Bevölkerung markiert. Der klassische Benzin- oder Dieselmotor ist damit endgültig zur Minderheit unter den neu zugelassenen Personenwagen geworden.
Die Markenrangliste im Ueberblick
Bei den Herstellern gab es an der Spitze wenig Ueberraschungen. Volkswagen verteidigte souverän die Führungsposition mit einem Marktanteil von 11,2 Prozent, was 13'048 Neuzulassungen entspricht. Auf dem zweiten Rang folgte die Konzernschwester Škoda mit 9,5 Prozent, während sich BMW mit 8,4 Prozent den dritten Platz sicherte. Dahinter reihten sich Mercedes-Benz mit 7,7 und Audi mit 7,0 Prozent ein.
BYD stuermt den Schweizer Markt

Für die wohl spektakulärste Entwicklung sorgte der chinesische Hersteller BYD. Die Marke erreichte im Juli einen Marktanteil von 3,2 Prozent, was 613 verkauften Einheiten entspricht. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist atemberaubend, denn im Juli 2025 waren es lediglich 77 Fahrzeuge gewesen, was einem Wachstum von rund 700 Prozent gleichkommt. Der Markteintritt von BYD in der Schweiz erfolgte im April 2025.
Während die neuen Wettbewerber aus Fernost durchstarten, geriet ein etablierter Name spürbar unter Druck. Der US-Pionier Tesla fiel im Juli auf einen Marktanteil von nur noch 0,5 Prozent zurück, nachdem er im Vorjahresmonat noch 2,2 Prozent erreicht hatte. Auch die ebenfalls chinesische Marke Leapmotor mischte mit einem Anteil von 1,2 Prozent im Markt der Elektrofahrzeuge bereits kräftig mit.
Hinter den politischen Erwartungen
Trotz dieser durchaus erfreulichen Wachstumszahlen bleibt ein kritischer Punkt bestehen. Nach Angaben des Importeursverbandes auto-schweiz stehen den Kundinnen und Kunden inzwischen über 350 verschiedene Elektromodelle in sämtlichen Preisklassen zur Auswahl. Dennoch hinkt die tatsächliche Verbreitung der Elektromobilität nach wie vor deutlich hinter den politischen Erwartungen und den gesteckten Klimazielen zurück.
Die Zahlen des ersten Halbjahres 2026 zeichnen somit ein zwiespältiges Bild des Schweizer Automarktes. Auf der einen Seite steht ein unaufhaltsamer Trend hin zu elektrifizierten Antrieben, der von einer breiten Modellpalette und neuen Anbietern befeuert wird. Auf der anderen Seite bleibt die Herausforderung, das Tempo dieser Transformation weiter zu erhöhen, um die selbst gesteckten Ziele nicht zu verfehlen.






