Lukas BrunnerVIEW PROFILE →
Ferraris elektrische Zeitenwende: Der 550'000-Euro-Stromer 'Luce', während Porsche den Rückzug antritt
Ferrari präsentiert seinen allerersten vollelektrischen Wagen: einen viertürigen Luxus-Stromer mit über 1000 PS, mitgestaltet von Ex-Apple-Design-Chef Jony Ive. Ausgerechnet jetzt, wo Rivalen wie Porsche ihre Elektro-Pläne drastisch zusammenstreichen. Ein Blick auf einen mutigen Alleingang.
Es ist ein historischer Moment für eine der legendärsten Automarken der Welt, der die gesamte Branche aufhorchen lässt. Der italienische Sportwagenhersteller Ferrari hat seinen allerersten vollelektrischen Wagen der Öffentlichkeit präsentiert und wagt damit einen mutigen und entscheidenden Schritt in eine neue Ära, die das Selbstverständnis der Marke von Grund auf verändern könnte.
Ein Ferrari der ganz anderen Art
Das neue Fahrzeug, das auf den poetischen Namen Luce hört, was auf Italienisch schlicht Licht bedeutet, bricht in vielerlei Hinsicht mit den Traditionen des Hauses. Denn anders als die typischen zweisitzigen Boliden aus Maranello handelt es sich hierbei um einen viertürigen Wagen, und es ist sogar der allererste Fünfsitzer in der langen und ruhmreichen Geschichte des Unternehmens.
Bei der Gestaltung dieses aussergewöhnlichen Automobils holte sich Ferrari zudem prominente Unterstützung aus einer ganz anderen Welt, nämlich der des Technologiedesigns. Der Wagen wurde nämlich unter Mithilfe des ehemaligen Chefdesigners von Apple, Jony Ive, und seines Kreativkollektivs namens LoveFrom entwickelt, was der Verschmelzung von Automobilbau und Hightech eine ganz neue Dimension verleiht.

Über 1000 PS aus vier Motoren
Auch wenn sich das äussere Konzept stark wandelt, so bleibt Ferrari seinem Ruf als Hersteller kompromissloser Leistungsmaschinen doch treu, das beweisen die technischen Daten eindrücklich. Das Herzstück des Luce bilden nämlich gleich vier Elektromotoren, wobei je ein Motor ein einzelnes Rad antreibt, was für eine überragende Agilität und eine präzise Kraftverteilung sorgen soll.
Die schiere Kraft, die aus diesem Antriebskonzept resultiert, ist selbst für einen Ferrari absolut beeindruckend und stellt viele Konkurrenten in den Schatten. Der Wagen leistet zusammengenommen mehr als 1000 PS und erreicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von über 310 Kilometern pro Stunde, und das, obwohl das Fahrzeug aufgrund der schweren Batterie mehr als 2,2 Tonnen auf die Waage bringt.
Für die nötige Alltagstauglichkeit und die Reichweitensorgen der Kundschaft ist ebenfalls gesorgt, was bei einem Elektrofahrzeug dieser Klasse unerlässlich ist. Der Ferrari Luce bietet nämlich eine Reichweite von über 500 Kilometern mit einer einzigen Ladung, was für einen so leistungsstarken und schweren Luxus-Sportwagen einen durchaus respektablen und konkurrenzfähigen Wert darstellt.
Ein Preisschild der Superlative
Ein solches Meisterwerk der Ingenieurskunst und des Designs hat naturgemäss seinen Preis, der sich in absolut exklusiven Sphären bewegt und nur wenigen zugänglich ist. Der lang erwartete Ferrari Luce wird zu einem stolzen Preis von 550'000 Euro angeboten, was umgerechnet rund 640'000 US-Dollar entspricht, während die ersten Auslieferungen an die betuchte Kundschaft im vierten Quartal 2026 beginnen sollen.
Gegen den Strom der Branche
Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem mutigen Vorstoss ist jedoch der Zeitpunkt, den Ferrari für seine elektrische Offensive gewählt hat, denn er könnte kaum ungünstiger erscheinen. Ausgerechnet jetzt, wo Ferrari voll auf die Elektromobilität setzt, ziehen sich zahlreiche direkte Konkurrenten wie Porsche und auch Lamborghini aus diesem Segment zurück und verweisen dabei auf eine schwächelnde Nachfrage.
Das Ausmass dieses Rückzugs lässt sich besonders eindrücklich am Beispiel des deutschen Herstellers Porsche ablesen, dessen Zahlen für Aufsehen sorgten. Porsche musste für das Jahr 2025 einen dramatischen Einbruch des operativen Gewinns auf lediglich 90 Millionen Euro vermelden, was einem schwindelerregenden Absturz von satten 98 Prozent im Vergleich zu den 5,3 Milliarden Euro des Vorjahres entspricht.
Als direkte Folge dieser Krise hat Porsche seine ambitionierten Elektropläne teilweise auf Eis gelegt und mehrere wichtige Modelle nach hinten verschoben. So wurden die vollelektrischen Versionen des 718 Boxster und Cayman auf das Jahr 2027 vertagt, während das ersehnte K1-Flaggschiff-SUV gar bis etwa 2029 warten muss und möglicherweise nicht einmal mehr rein elektrisch angeboten wird.
Ein Wagnis mit Ansage
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, welch grosses unternehmerisches Wagnis Ferrari mit der Einführung des Luce eingeht, während andere zögern und zurückrudern. Der Hersteller aus Maranello setzt darauf, dass am absoluten Spitzenmarkt andere Gesetze gelten und dass seine treue und finanzkräftige Kundschaft die Faszination eines elektrischen Ferrari zu schätzen weiss, unabhängig von der allgemeinen Marktlage.
Ob dieser mutige Alleingang letztlich von Erfolg gekrönt sein wird, muss die Zukunft zeigen, doch schon jetzt setzt Ferrari ein unübersehbares Zeichen. Der Luce beweist, dass auch die emotionalsten und traditionsreichsten Marken den Wandel annehmen können, und er könnte sich als wegweisend für die gesamte Zukunft des exklusiven Luxus-Sportwagensegments erweisen, in einer Zeit des grossen Umbruchs.






