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Die grosse Kehrtwende in Zuffenhausen: Warum Porsche vom reinen Elektro-Kurs abrückt , und was das kostet

business2026-08-28 · 3 min read · 6 reads

Ausgerechnet Porsche, einst lautstarker Verfechter der elektrischen Zukunft, vollzieht eine bemerkenswerte Kehrtwende und setzt wieder verstärkt auf den Verbrennungsmotor. Neue Modelle kommen zunächst mit Verbrenner und Hybrid, geplante Elektroautos werden verschoben. Der Kurswechsel belastet den Vo

Noch vor wenigen Jahren schien die Zukunft des Automobils klar entschieden: Sie sollte rein elektrisch sein. Ausgerechnet Porsche, einst einer der lautstärksten Verfechter dieser Vision, vollzieht nun jedoch eine bemerkenswerte Kehrtwende und setzt wieder verstärkt auf den Verbrennungsmotor. Der Kurswechsel ist teuer – und er hat den Konzernchef bereits den Chefposten gekostet.

Abschied vom reinen Elektro-Kurs

Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen hat seine Elektrostrategie grundlegend überarbeitet. Statt weiterhin kompromisslos auf batterieelektrische Modelle zu setzen, will Porsche künftig wieder deutlich mehr Geld in neue Verbrenner investieren und die Lebenszyklen bereits verkaufter Modelle mit Verbrennungsmotor spürbar verlängern.

Der Grund dafür ist so simpel wie ernüchternd: Die Nachfrage nach reinen Elektroautos ist in mehreren wichtigen Märkten deutlich hinter den einst ehrgeizigen Erwartungen zurückgeblieben. Porsche reagiert darauf, indem geplante neue Elektromodelle verschoben und die bewährten Fahrzeuge mit klassischem Antrieb länger im Programm gehalten werden.

Verbrenner für die neuen Modelle

Besonders deutlich wird die neue Linie bei der geplanten SUV-Baureihe, die oberhalb des Cayenne positioniert werden soll. Ursprünglich war dieses Spitzenmodell als reines Elektrofahrzeug vorgesehen. Nun soll es zunächst ausschliesslich mit Verbrennungsmotor sowie als Plug-in-Hybrid auf den Markt kommen und damit ein breiteres Publikum ansprechen.

Auch beim erfolgreichen Kompakt-SUV Macan rudert Porsche spürbar zurück. Der Hersteller arbeitet inzwischen an einer neuen Variante mit Verbrennungsmotor, die künftig parallel zum bereits eingeführten vollelektrischen Macan angeboten werden soll. Damit erhalten die Kunden wieder die freie Wahl zwischen beiden Antriebswelten.

Selbst bei den Sportwagen 718 Boxster und Cayman, die eigentlich als reine Elektromodelle geplant waren, deutet sich eine Öffnung an. Porsche hat angekündigt, die neuen Fahrzeuge so anzupassen, dass bei Bedarf auch hier wieder Verbrennungsantriebe angeboten werden können – vor allem mit Blick auf besonders zahlungskräftige Kunden.

Ein teures Eingeständnis

Die grosse Kehrtwende in Zuffenhausen: Warum Porsche vom reinen Elektro-Kurs abrückt – und was das kostet

Hinter dem Strategiewechsel steht auch ein ungewöhnlich offenes Eingeständnis der Konzernspitze. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Oliver Blume räumte ein, dass die Entscheidung, den beliebten Macan mit Verbrennungsmotor auslaufen zu lassen, ein Fehler gewesen sei. Solche selbstkritischen Töne sind in der von Prestige geprägten Branche eher die grosse Ausnahme.

Doch die Neuausrichtung hat ihren Preis, und zwar einen gewaltigen. Für den Mutterkonzern Volkswagen bedeuten die zahlreichen Verschiebungen und Anpassungen nach eigenen Angaben eine Belastung des operativen Ergebnisses von rund 5,1 Milliarden Euro allein in diesem laufenden Geschäftsjahr, was die Dimension des Kurswechsels eindrücklich verdeutlicht.

Der Chef muss gehen

Der Druck auf die oberste Führungsebene wurde schliesslich zu gross. Oliver Blume, der zeitweise gleichzeitig sowohl Volkswagen als auch Porsche leitete, gab den Chefposten bei dem Sportwagenbauer ab. Zu seinem Nachfolger wurde Michael Leiters bestimmt, der zuvor an der Spitze des britischen Sportwagenherstellers McLaren gestanden hatte.

Die Bilanz seiner Amtszeit fällt an der Börse ernüchternd aus. Während Blumes Führung verloren die Aktien von Volkswagen fast dreissig Prozent an Wert, und der Kurs der Porsche-Aktie hat sich seit dem Börsengang im Jahr 2022 sogar halbiert. Der Wechsel an der Konzernspitze kommt vor diesem Hintergrund wenig überraschend.

Ein Signal für die ganze Branche

Die Kehrtwende bei Porsche ist weit mehr als nur eine interne Angelegenheit eines einzelnen Herstellers. Sie gilt vielen Beobachtern als Symbol für die tiefe Verunsicherung, die derzeit die gesamte europäische Autoindustrie erfasst hat, die zwischen politischen Vorgaben, hohen Kosten und einer zögerlichen Nachfrage aufgerieben wird.

Für die Kundschaft bedeutet der Schritt vorerst vor allem eines: mehr Auswahl statt weniger. Wer weiterhin den Klang und das unverwechselbare Gefühl eines Verbrennungsmotors schätzt, muss bei Porsche zunächst nicht darauf verzichten. Der einst so klar vorgezeichnete Weg in die rein elektrische Zukunft wird damit zeitlich deutlich gestreckt.

Ob Porsche mit dieser vorsichtigeren Doppelstrategie am Ende richtig liegt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Vorstellung, dass der Umstieg auf das Elektroauto ein reibungsloser und geradliniger Prozess sei, hat mit der milliardenschweren Kehrtwende aus Zuffenhausen einen weiteren, deutlichen Dämpfer erhalten.

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